Verbindungsmöglichkeiten von Hörgeräten

In einer technisierten Welt wie der unsrigen ist es Hörgeräteträgern ein Bedürfnis, an dieser teil zu haben. Das können wir, indem wir unsere Hörgeräte mit der Technik verbinden. Dieser Artikel gibt einen groben Überblick über die Möglichkeiten. In der Folge werde ich zu jeder Verbindungsmöglichkeit noch einen detaillierten Artikel schreiben.

Die Situation

Der besseren Verständlichkeit halber möchte ich kurz die grundsätzliche Situation beschreiben in der wir uns hier befinden. Alle Situationen haben mehr oder weniger diesen Aufbau:

  • Es gibt eine Quelle aus der das Audiosignal kommt.
  • Meistens gibt ein Gerät, den Sender, welches das Audiosignal aus der Quelle entgegen nimmt und weiter sendet. Dieses Senden passiert bei den meisten gängigen Technologien auf eine kabellose Weise, aber hier und da können auch noch Kabel genutzt werden.
  • Meistens gibt es ein Gerät, welches das gesendete Signal vom Sender entgegen nimmt. Wir nennen das Empfänger. Manchmal ist das direkt das Hörgerät selbst, aber manchmal ist es ein extra Gerät.
  • Wenn der Empfänger nicht das Hörgerät selbst ist, dann gibt es einen weiteren Übertragungsschritt. Hier wird dann der Empfänger selbst wieder zum Sender und das Hörgerät selbst ist dann der finale Empfänger. Auch auf diesem letzten Schritt kann die Übertragung per Kabel oder kabellos erfolgen.
Verbindungsschritte von der Quelle zum Hörgerät
Verbindungsschritte von der Quelle zum Hörgerät

Beispiele für Quellen

Was ich oben allgemein als Quelle benannt habe, kann vieles sein:

  • Musik aus der Stereoanlage,
  • der Ton eines Filmes aus dem Fernseher,
  • ein Podcast welcher vom Mobiltelefon abgespielt wird,
  • ein Telefongespräch über das Festnetztelefon,
  • der Ton einer Videokonferenz auf einem Laptop,
  • das Hörbuch aus dem Autoradio,
  • das Musikstück welches vom Orchester in der Oper gespielt wird,
  • das gesprochene Wort eines Theaterschauspielers auf der Bühne,
  • die Ausführungen eines Lehrers vor seiner Schulklasse oder
  • das Gespräch der Kollegen in einem Besprechungsraum.

Für all diese Beispiele gibt es Möglichkeiten dein Hörgerät mit der Audioquelle zu verbinden. Aber warum möchtest du das überhaupt?

Warum direkt verbinden?

Hörgeräte-Neulinge oder hörende Menschen mögen sich fragen „Warum brauche ich diese Verbindungsmöglichkeiten überhaupt? Reicht es nicht einfach mit seinen angeschalteten Hörgeräten jeweils in der Situation zu sitzen wie es jemand mit ’normalen‘ Ohren auch tut?“

Die kurze Antwort lautet: nein, es reicht meistens nicht.

Bei einer akustischen Situation wie den oben beschriebenen möchtest du dein Hörgerät möglichst direkt mit der Quelle verbinden aus folgenden Gründen:

  • Kein Verlust auf dem Weg. Immer wenn das Audiosignal aus der Quelle den Weg zu deinen Hörgerätemikrophonen finden muß, gehen unterwegs Teile des Signals verloren. Das ist bei Schall einfach so, daß je weiter wir von der Quelle weg sind, nur noch ein Teil davon bei uns ankommt. Das ist natürlich auch für hörende Menschen so, aber uns Schwerhörigen macht das mehr zu schaffen, denn unsere Ohren sind schon verlustbehaftet, da möchten wir nicht auch noch zusätzlich Informationen auf dem Weg zu ihnen verlieren wenn dies vermeidbar ist.
  • Keine Nebengeräusche. Wenn wir den Ton direkt von der Quelle ins Hörgerät bekommen, ist das Signal klarer, denn störende Nebengeräusche werden nicht mit übertragen. Zum Beispiel können wir den Ton des Orchesters direkt in unseren Hörgeräten hören ohne daß wir das Flüstern der Sitznachbarn im Saal hören müssen. Das funktioniert natürlich besonders gut, wenn in der Zeit der Übertragung die Mikrophone deiner Hörgeräte ausgeschaltet sind (das ist allerdings nicht immer möglich oder erwünscht).
  • Kopfhörer sind keine Alternative. Manche mögen nun einwerfen, daß man beide vorherigen Punkte doch erreichen könnte in dem man Kopfhörer benutzt. Kopfhörer sind leider für uns Hörgeräteträger nicht so gut zu gebrauchen und daher keine Alternative. Wer hier mehr wissen möchte, dem sei mein Artikel Kopfhörer und Hörgeräte ans Herz gelegt.

Die technischen Möglichkeiten

Aber nun zu den technischen Verbindungsmöglichkeiten. Ich liste hier auf, welche momentan geläufig sind, von aktuell bis ein wenig altmodisch. Auch hier gibt es Trends und während die aktuellste Möglichkeit gerade im Kommen ist, sind viele ältere Möglichkeiten langsam aus der Mode gekommen. Oft werden diese gar nicht mehr angeboten, oder man muß als Kunde explizit danach fragen.

Bluetooth

Die aktuellste Möglichkeit der Verbindung ist Bluetooth. Bluetooth ist ein Standard für drahtlose Verbindungen, der erstmal gar nichts mit Hörgeräten zu tun hat. Dieser wurde entwickelt um generell Audiosignale an Kopfhörer und Headsets zu übertragen. Er wird mittlerweile von vielen Quellen direkt unterstützt (damit ist Quelle und Sender in obigem Bild identisch), vor allem Mobiltelefone, Computer (Laptops und Desktops), und Tablets. Für Quellen die Bluetooth nicht direkt unterstützen gibt es Adapter, z.B. welche man mit einem Klinkenkabel an der Quelle anstecken kann oder zum Beispiel Radiotransmitter fürs Autoradio.

Wenn man mit Hörgeräten Audiosignale aus einer Bluetooth-Quelle hören möchte, so hat man meistens zwei Möglichkeiten:

  • Moderne, High-End Hörgeräte können Bluetooth direkt empfangen. Diese verhalten sich dann zur Quelle genauso wie ein „normaler“ Bluetooth Kopfhörer. Hier sind die Hersteller Phonak und Resound die Vorreiter auf dem Markt, aber die anderen werden vermutlich schnell nachziehen.
  • Wenn die High-End-Geräte zu teuer für dich sind, hast du bei vielen Herstellern die Möglichkeit einen Bluetooth-Adapter zu kaufen. Dieser wird nahe am Körper angebracht, z.b. an einer Schlaufe um den Hals gehängt oder an die Kleidung geklippt. Dieser empfängt das Bluetooth Signal und sendet es weiter an die Hörgeräte. Dieser letzte Schritt der Übertragung passiert meist auch kabellos über ein herstellerabhängiges Funkprotokoll. Da es herstellerabhängig ist, kannst du leider nicht beliebige Adapter für beliebige Hörgeräte kaufen, sondern bist auf das Angebot des Herstellers deines Hörgerätes angewiesen.

Die Vorteile von Bluetooth sind, daß es universell einsetzbar ist, also Hersteller unabhängig und das sehr viele moderne Geräte dies als Sendemöglichkeit unterstützen.

FM (Frequenzmodulation)

FM ist eine Technologie, die vor allem in Form von FM Anlagen zur Übertragung von Signalen im Veranstaltungsbereich benutzt wird. FM steht für Frequenzmodulation, das ist eine Art der drahtlosen Funk-Verbindung.

Bei FM Anlagen gibt es meistens einen Sender und einen oder mehrere Empfänger. Der Sender wird nahe des Audioquelle angebracht. Typische Situationen sind hier Schulklassen, wo der Lehrer den Empfänger an der Kleidung trägt und dieser mit einem Mikrophon die Stimme aufnimmt und sendet. Vom Schulunterricht abgesehen sind häufige Einsatzorte für FM-Anlagen: Universitätsleersäle, Kirchen, oder generell Veranstaltungen wo es einen oder wenige Redner gibt.

Der Empfänger wird hier vom dir als Hörgeräteträger nah an deinem Körper getragen, also um den Hals gehängt oder angeklippt. Da Hörgeräte nicht direkt das FM Signal empfangen können, muß der Ton also noch von dem Empfänger ins Hörgerät kommen. Das passiert meistens per Kabel, welches aus dem Empfänger an die Rückseite des Hörgerätes mit einem sogenannten Audioschuh verbunden wird.

Diese Art der Signalübertragung ist vor allem im Bildungsbereich noch sehr geläufig. Sie hat den Vorteil, daß FM Anlagen nicht Hörgeräte-Hersteller-spezifisch sein müssen, man sich also mit der Wahl des Hörgerätes nicht gleich auf die Wahl der FM Anlage einschränkt. Auch sind FM Anlagen tragbar und können von dir als Benutzter von einem Raum in den nächsten gebracht werden, z.B. um der nächsten Vorlesung zu lauschen. Ein Nachteil der FM Anlagen ist daß die Kabelanbindung an Hörgeräte wiederum etwas auf dem Weg aus der Mode zu kommen. Viele moderne Hörgeräte bieten gar keinen Audioschuh mehr an.

Induktionsschleifen oder Telefonspule

Induktionsschleifen werden auch Hörschleifen oder Ringschleifen genannt. Hier werden die Audiosignale mit Hilfe von elektrischen Strömen (sogenannter Induktion) ins Hörgerät übertragen. Die Schleife selbst ist mit der Quelle verbunden. Der Empfänger ist eine kleine Antenne die im Hörgerät eingebaut ist. Diese wird oft Telefonspule (oder T-Coil) genannt, weil diese Technologie früher oft zum Telefonieren mit Festnetztelefonen benutzt wurde. Wie kann man sich das vorstellen?

Induktionsschleifen heißen Schleifen, weil sie aus physikalischen Gründen tatsächlich eine Schleife aus Draht sind. Diese Schleife kann entweder im Boden eines Veranstaltungsortes verbaut werden. Die Schleife reicht dann zum Beispiel um das ganze Theaterpublikum herum. Oder es gibt kleine Schleifen die sich jeder Hörgeräteträger im Saal um den Hals hängen kann. Im ersten Fall ist die Schleife ja fest installiert und kann daher auch per Kabel direkt an die Quelle angebunden werden (z.B. der Tonanlage des Theaters). Bei den Schleifen die man sich um den Hals hängt, muß der Ton wiederum erst von der Quelle zu der Schleife kommen. Hier gibt es verschiedene Optionen, z.B. die Übertragung über Infrarotlicht oder über Funkprotokolle.

Bei Festnetztelefonen ist die Schleife im Hörer des Telefons eingebaut und da man sie nah genug an das Hörgerät hält, kann man so direkt den Ton aus dem Telefon im Hörgerät hören.

Induktionsschleifen waren in den 1980ern recht verbreitet in Veranstaltungssälen und Festnetztelefonen. Leider werden sie immer weniger, denn auch die Nutzerzahl geht zurück. Viele Hörgerätehersteller bauen gar keine Empfänger-Antenne mehr in die Hörgeräte rein oder man muss explizit nach so einem Modell fragen.

Ich persönlich bin ein großer Fan von Induktionsspulen und habe mir extra ein Hörgerät gekauft, welches diese Technik beherrscht. Ich nutze sie vor allem in Theatern und in Besprechnungsräumen auf der Arbeit, die mein Arbeitgeber mit Induktionsschleifen ausgestattet hat.

Induktionsschleifen haben den Vorteil, daß sie relativ gute Ton-Qualität liefern (wenn es keine Interferenzen mit anderen elektrischen Quellen gibt) und herstellerunabhängig sind. Orte an denen es Induktionsschleifen gibt, sind oft mit einem Symbol gekennzeichnet, so daß du als Hörgeräteträger weißt, wann es sich lohnt das Hörgerät in das entsprechende Programm zu schalten.

Infrarot

Infrarot ist eine weitere Technologie, die ein Audiosignal von einem Sender (an der Quelle angeschlossen) zu einem Empfänger bringt. Das ist ein ähnlicher Aufbau wie bei einer FM Anlage, nur daß hier das Signal nicht per Funk, sondern per Infrarot-Licht übertragen wird. Auch hier braucht man für Sender und Empfänger jeweils ein Gerät und das Empfängergerät muß per Kabel (oder herstellerabhängigem Funksignal) an die Hörgeräte übertragen werden.

Der Nachteil bei Infrarot ist daß Sichtkontakt zwischen Sender und Empfänger sein muß, was nicht in allen Situationen gut geht. Diese Technologie wird oft noch bei Adaptern zum Fernseher angeboten. Die Vor- und Nachteile sind hier ähnlich wie bei FM Anlagen. In manchen Ländern werden Infrarotanlagen auch in Veranstaltungssälen an Hörgeräteträger ausgegeben.

Herstellerabhängige Lösungen

Neben den beschriebenen Technologien gibt es noch einen ganzen Wildwuchs an Hersteller-abhängigen Lösungen. Diese benutzten zumeist ein proprietäres Funkprotokoll. Dieses funktioniert nur mit den Geräten eines Herstellers, also die Adapter und die Hörgeräte müssen vom gleichen Hersteller sein. Oft kann man nicht mal davon ausgehen daß ein Übertragungssystem mit allen Hörgeräten des Herstellers kompatibel sind. Das heißt z.B. daß man sich unter Umständen ein System gekauft hat, aber dann nach 6 Jahren neue Hörgeräte des gleichen Herstellers kauft und diese dann nicht mit dem System benutzen kann.

Die Vielfalt dieser Lösungen ist groß und es würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, diese alle aufzulisten. Vorteile dieser Lösungen sind meistens daß sie sehr gut funktionieren, da der Hersteller sie natürlich gut testen kann (im Gegensatz zu Bluetooth-Lösungen, wo es kein Hersteller schaffen wird, alle seine Bluetooth-fähigen Hörgeräte mit allen am Markt befindlichen Bluetooth-Mobiltelefonen zu testen). Allerdings kommt die Hersteller-Abhängigkeit wie beschrieben mit einigen Nachteilen.

Zusammenfassung

Ich hoffe ich habe dir mit diesem Artikel einen Überblick verschaffen können, welche Technologien es gibt um Hörgeräte mit Audio-Quellen zu verbinden. Du solltest nun wissen:

  • Daß es in vielen Situationen Sinn macht, deine Hörgeräte direkt mit der Quelle zu verbinden.
  • Daß es mehrere Technologien gibt, die sich hier für verschiedene Situationen anbieten.
  • Bluetooth ist das modernste und vor allem mit Mobiltelefonen, Computern und Tablets kompatibel.
  • Induktionsschleifen und Telefonspulen helfen bei Veranstaltungen und beim Telefonieren mit (zu meist) Festnetztelefonen.
  • FM und Infrarot-Anlagen sind vor allem im Bildungsbereich eingesetzt, aber auch in Veranstaltungsräumen.
  • Darüberhinaus gibt es viele Hersteller-abhängige Lösungen, mit proprietären Funkübertragungen.

Ein Gedanke zu „Verbindungsmöglichkeiten von Hörgeräten

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