Bluetooth und Hörgeräte

Vor nicht allzulanger Zeit gab es hier im Blog einen Überblick über die Verbindungsmöglichkeiten von Hörgeräten. Eine der dort vorgestellten Möglichkeiten ist Bluetooth. Bluetooth ist die neuste und modernste Möglichkeit und wird uns in diesem und weiteren Artikeln beschäftigen. Was ist Bluetooth und was ermöglicht es uns Hörgeräteträgern?

Bluetooth (Wikipedia) ist eine Funk-Technologie. Sie wurde Ende der 90er erfunden und standardisiert. Grundsätzlich ist sie dafür gedacht, Kabel zwischen technischen Geräten zu ersetzen. Es geht also um kurze Funkverbindungen zwischen technischen Geräten. Das ist für Hörgeräte sehr interessant, denn auch Hörgeräte sind technische Geräte die früher (unter anderem) mit Kabeln an andere technische Geräte angeschlossen wurden.

Seit einigen Jahren nun hat die Hörgeräteindustrie diese Technologie für sich entdeckt und es kommen immer mehr Hörgeräte auf den Markt, die Bluetooth nutzen können.

Unabhängig von Hörgeräten hat Bluetooth einen sehr großen Erfolg hingelegt. Mittlerweile sind sehr viele technische Geräte Bluetooth-fähig, sowohl um Daten zu senden als auch zu empfangen. Beispiele sind Laptops, Tablets und Mobiltelefone, aber auch Bluetooth-Kopfhörer und -headsets, oder Bluetooth-Lautsprecher. Dabei geht der Datenfluss nicht unbedingt nur in eine Richtung, ein Headset z.B. empfängt Sound vom Laptop, aber sendet auch den Sound den es über das Mikrophon abgibt zurück an den Laptop.

Bluetooth-fähige Geräte sind für uns Hörgeräteträger interessant, weil die Möglichkeit unsere Ohren direkt mit der Soundquelle zu verbinden viele Vorteile hat (siehe Verbindungsmöglichkeiten von Hörgeräten).

In der Praxis funktioniert Bluetooth so, dass man das Gerät welches per Bluetooth Daten senden soll (z.B. das Mobiltelefon um Musik abzuspielen) mit dem Gerät welches sie empfangen soll (z.B. das Hörgerät oder den Kopfhörer) „paaren“ muss. Hierbei kann man am Quellgeraet, also z.B. dem Laptop eine Liste alle Bluetooth-fähigen Geräte im Raum sehen, auswählen und (manchmal unter Eingabe einer PIN) mit einem Gerät verbinden und danach darüber Sound abspielen.

Adapter oder nicht

Bei Hörgeräten und Bluetooth gibt es im wesentlichen zwei Varianten. Entweder die Hörgeräte selbst unterstützen Bluetooth oder der Hersteller bietet einen externen Adapter an.

Bei den Hörgeräten mit eingebauter Bluetooth-Fähigkeit braucht man keinen separaten Adapter. Stattdessen präsentiert sich das Bluetooth-fähige Hörgerät in der Kategorie Bluetooth-Headset den nahegelegenen Geräten. So kann man also das Hörgerät z.B. auf dem Laptop sehen und diesen damit verbinden.

Bei Hörgeräten die eine Bluetooth-Verbindung über einen Adapter machen, ist der Adapter das Bluetooth-fähige Gerät welches sich dem Laptop als solches präsentiert und damit verbunden werden kann. Der Laptop spricht dann also mit dem Adapter. Das ist natürlich nur die halbe Miete. Die Daten müssen dann natürlich noch vom Adapter zum Hörgerät (und zurück) kommen. Das funktioniert bei den meisten Hörgeräteherstellern über ein anderes Funkprotokoll. Weil diese Funkprotokolle herstellerabhängig sind, kann man hier nicht beliebig Adapter verschiedener Hersteller tauschen.

Adapter sind eine gute Möglichkeit Hörgeräte mit Bluetooth-fähigen Geräten zu verbinden, wenn die Hörgeräte das nicht können. Das ist momentan (im Jahr 2021) noch bei einigen Hörgeräteherstellern der Fall, die noch nicht so weit in der Entwicklung sind, dass sie Bluetooth direkt in den Hörgeräten implementieren konnten. Der Trend geht jedoch dahin mehr und mehr Hörgeräte mit eingebautem Bluetooth zu produzieren.

Lange Zeit war der Stromkonsum von Bluetooth ein Problem für Hörgeräte, weil die kleinen Hörgeräteakkus oder -batterien einfach sehr schnell leer sind, wenn die Hörgeräte Bluetooth benutzen. Mit immer besseren und spezielleren Bluetooth Implementationen auf Seiten z.B. der Mobilfunkhersteller wird das weniger und weniger zum Problem. Für uns Hörgeräteträger ist es natürlich ungemein praktisch, nicht ein weiteres extra Gerät mit sich herumtragen zu müssen, deshalb mögen wir diese Entwicklung.

Arten von Bluetooth: Bluetooth und Bluetooth Low Energy

Bluetooth ist nicht gleich Bluetooth. Der Bluetooth Standard ist mittlerweile tausende Seiten lang und es gibt viele Erweiterungen für verschiedene Anwendungen. Für Hörgeräte sind hier vor allem zwei wichtig: klassisches Bluetooth und Bluetooth Low Energy.

Wie schon angesprochen ist der Stromverbrauch bei Bluetooth ein wichtiges Thema. Bluetooth selbst kann für viele Anwendungszwecke benutzt werden und nicht alle brauchen wirklich so viel Energie. Deshalb hat man den Bluetooth Standard weiter entwickelt, der sich auf Anwendungen konzentriert, die nicht viel Energie brauchen, weil sie nur wenig Daten übertragen. Dieser Standard nennt sich Bluetooth Low Energy (Wikipedia).

Eine typische Anwendung für Bluetooth Low Energy sind Fitnesstracker, die du am Handgelenk trägst und die ab und zu mal an dein Handy senden wieviele Schritte du heute schon gegangen bist. Diese Art von Daten braucht nicht viel Platz und wird nur gelegentlich und nicht durchgehend geschickt. Die gleiche Technologie wird übrigens auch in der Corona-Warn-App benutzt.

Hörgeräte benutzten Bluetooth Low Energy auch für mehrere Dinge. Zum Beispiel gibt es viele bluetoothfähige Hörgeräte, die mit einer App für dein Mobiltelefon kommen. Diese App hat dann unter anderem die Funktion einer Fernbedienung. Du kannst sie also benutzen um an deinen Hörgeräten die Programme oder die Lautstärke (und manchmal sogar noch mehr) einzustellen. Diese Informationen brauchen auch nicht viele Daten und eignen sich daher für diese Art von Bluetooth.

Die Daten fließen in dem Fall nicht nur vom Handy zum Hörgerät, sondern das Hörgerät sendet auch Daten zurück, z.B. auf welcher Lautstärke es jetzt gerade steht und in welchem Programm es sich befindet.

Bluetooth und Bluetooth für Hörgeräte

Das klassische Bluetooth brauchen Hörgeräte aber auch, nämlich dann, wenn man mehr Daten übertragen will. Das ist vor allem nötig wenn Audiodaten, also z.B. Musik oder ein Telefongespräch übertagen soll. Dafür würde Bluetooth Low Energy nicht ausreichen.

Normales Bluetooth hat hier allerdings auch einen großen Nachteil, nämlich den Stromverbrauch. Für Hörgeräte brauchte man also etwas was Audiodaten übertragen kann, aber nicht ganz so energiehungrig ist. Da es hier keinen offiziellen Teil des Bluetooth-Standard gibt, haben sich die großen Mobiltelefonhersteller nacheinander selbst was ausgedacht.

Zuerst hat Apple etwas in seine Iphones eingebaut, mit denen Hörgeräte Audiodaten übertragen konnte. Diese Hörgeräte mußten dann allerdings nicht generell Bluetooth unterstützen, sondern auch noch die von Apple veröffentlichte Spezifikation. Diese wurden unter dem Slogan „Made for Iphone hearing device“ vertrieben und funktionierten dann aber auch nur mit Apple’s IPhones. (Liste alle IPhone-kompatiblen Hörgeräte.)

Google hat mittlerweile nachgezogen und seinerseits eine Spezifikation herausgebracht. (Liste alle kompatiblen Hörgeräte). Das hat allerdings so lange gedauert, dass die Hörgerätehersteller hier schon selbst kreativ wurden.

Die Firma Phonak hat mittlerweile einige Geräte (z.B. das Audeo Marvel) auf den Markt gebracht, die klassisches Bluetooth verwenden und trotzdem mit dem Energie-Verbrauch (einigermaßen) klar kommen. Das hat den Vorteil, dass sie potentiell mit jeder Art von Bluetooth-Gerät, also auch allen Bluetooth-fähigen Mobiltelefonen verbunden werden können. Ich sage hier potentiell, denn in der Praxis ist das nicht immer so einfach. Da wird es noch einen separaten Artikel zu geben.

Bluetooth mit App oder nativ

Es gibt einen Aspekt, auf den ich bei der Auswahl von Bluetooth-fähigen Hörgeräten immer hinweise, denn er ist nicht offensichtlich. Manche Hörgerätehersteller bieten Hörgeräte an, die Bluetooth können, aber das funktioniert nur, wenn auf dem abspielenden Gerät (z.B. dem Mobiltelefon) eine bestimmte App des Hörgeräteherstellers installiert ist. Das klingt erstmal nicht so schlimm, wenn man nur vor hat seine Hörgeräte mit seinem Mobiltelefon zu benutzen und es diese App für dieses Mobiltelefon gibt. Ein Beispiel dafür ist das Hörgerät Resound Linx Quattro, welches nur mit der Resound App funktioniert.

Was ich hier zu bedenken gebe ist, dass man sobald man die Vorzüge von Bluetooth zu schätzen weiß, seine Hörgeräte auch mit anderen Bluetooth-fähigen Geräten verbinden will. Dann ist auf einmal nicht nur das Mobiltelefon als Soundquelle interessant, sondern auch der Laptop und das Tablet. Hier kann man dann nicht mehr davon ausgehen, dass es für alle Betriebssysteme die passende App gibt.

Bluetooth Profile

Wie oben geschrieben melden sich Hörgeräte als Bluetooth-Headsets an und verhalten sich auch so. Dabei gibt es zwei Feinheiten zu beachten. Hörgeräte wie Headsets können auf zwei Arten funktionieren:

  • Bidirektional: Der Sound wird von beiden Geräten zum jeweils anderen übertragen. Das braucht man vor allem bei Telefonaten wo man den Ton seines Gesprächspartners in die Ohren bekommt, aber seine eigene Stimme über das Mikrophon auch an das Mobiltelefon überträgt.
  • Monodirektional: Der Sound wird nur von der Quelle zum Headset übertragen. Das ist also eine Option für Anwendungen wo man das Mikrophon des Headsets nicht benutzt, z.B. zum Musik hören.

Bei der Verbindung zwischen Quelle und Bluetooth Headset (und damit auch Hörgerät), kann man hier oft das Profil auswählen. Wenn man z.B. das Mikrophon nicht braucht, weil man gerade sowieso nur Musik hören wollte, dann sollte man nach Möglichkeit das monodirektionale verwenden, weil man in dem Fall eine doppelt so große Bandbreite zur Datenübertragung hat. Das heißt in der Praxis, dass der Sound besser ist, weil man doppelt so viele „Feinheiten“ der Musik übertragen kann.

Wenn du dich an dieser Stelle fragst, welches Mikrophon eigentlich benutzt wird, wen man ein Hörgerät mit dem bidirektionalen Profil nutzt, dann ist das durchaus berechtigt. Die Antwort ist nämlich: tatsächlich die Mikrophone des Hörgerätes, die (bei Hinter-dem-Ohr-Geräten) nach hinten(!) zeigen. Das ist natürlich für ein Gespräch nicht ideal. Besser wäre es ein Mikrophon nahe am Mund zu haben wie bei normalen Headsets üblich. Allerdings ist die Qualität hier nicht so schlecht wie man befürchten würde. Wer allerdings perfekten Sound will, der nutzt in der Situation monodirektionale Profil und das Mikrophon am Handy oder Laptop. So kommt der beste Ton in deinen Ohren an und dein Gesprächspartner versteht dich auch gut.

Ausblick: Ist Bluetooth die Zukunft?

Wie ihr hier lesen konntet, gibt es beim Thema Bluetooth mit Hörgeräten einiges zu beachten. Es ist auch nicht immer alles so einfach einzurichten und zu handhaben wie es die Werbung uns hier verspricht. Dennoch ist Bluetooth meiner Einschätzung nach die Zukunft was Konnektivität von Hörgeräten angeht. Alle alternativen Technologien sind eher auf dem absteigenden Ast, erfordern zusätzliche, oft klobige und extra zu bezahlende Hardware. Bluetooth ist in der heutigen technisierten Welt ein Standard, der es uns Hörgeräteträgern möglich machst, so einfach wie alle anderen an dieser Welt teil zu haben.

In den nächsten Artikeln werde ich die Vorteile und Nachteile von Bluetooth im Detail beschreiben.

2 Gedanken zu „Bluetooth und Hörgeräte

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