DeafIT 2021

Seit mehreren Jahren gibt es die DeafIT, eine Konferenz von gehörlosen und schwerhörigen IT-Professionals, die für Barrierefreiheit, Vielfalt und Inklusion steht. Dieses Jahr fand die Konferenz Pandemie-bedingt „nur“ virtuell statt. Anfang März war es soweit. Hier mein Bericht.

Die DeafIT entdeckte ich schon vor einigen Jahren und 2018 war ich das erste Mal als Teilnehmer dabei. (Wer des Englischen mächtig ist, dem sei mein Bericht von damals DeafIT 2018 ans Herz gelegt.) Schon damals war ich begeistert, was hier barrierefrei auf die Beine gestellt wird. Das Hauptpublikum der DeafIT besteht aus gehörlosen Menschen, von denen viele primär Gebärdensprache benutzen. Doch auch ich als Schwerhörige, die nicht der Gebärdensprache mächtig ist, fühlte mich sehr willkommen. Endlich mal eine Konferenz die konsequent Untertitel anbietet, ich habe noch nie so leicht den Inhalten folgen können.

Die Technik

Dieses Jahr hat sich dann auch die DeafIT den Herausforderungen einer rein virtuellen Konferenz gestellt. Da es für mich nicht die erste virtuelle Konferenz war, war mir bewußt, daß das nicht weniger Aufwand und Logistik beinhaltet. So auch hier. Besonders weil die DeafIT die Barrierefreiheit anstrebt, war es um so komplizierter. Die Konferenz fand auf der Konferenz-Website www.deafit.org statt. Dort gab es auf einer Seite mehrere Streams gleichzeitig zu sehen und zu hören:

  • Den oder die Redner:in.
  • Die Folien des Vortrags.
  • Eine:n Gebärdensprachendolmetscher:in
  • Die live Untertitel auf Deutsch (Menschen-gemacht) oder Englisch (Maschinen-generiert).
  • Einen Gruppenchat für das Publikum.
  • Wenn die Vortragssprache Lautsprache (Deutsch oder Englisch) war, wurde die Sprache in Gebärdensprache übersetzt. Wenn es die Gebärdensprache war, wurde sie in Lautsprache (Deutsch) übersetzt.

Das alles unter einen Hut zu kriegen war nicht immer einfach und so gab es gerade am ersten Konferenztag ein paar technische Pannen.

Was ich aber ganz erleuchtend fand, war als bei einigen Vorträgen der Lautsprache-Ton und die Untertitel ausfielen und man nur noch dem Gebärdensprachendolmetscher folgen konnte. Da fühlte ich mich als nicht-gebärdende so zurückgelassen wie viele Gehörlose auf normalen Konferenzen. Ganz lehrreich mal auf der anderen Seite der Barriere zu sein.

Insgesamt waren aber alle technischen Probleme in den Griff zu kriegen und was man verpasst hat, kann man demnächst in den Aufnahmen in der Medienbibliothek nachschauen (sofern man ein Ticket für die Konferenz hatte).

Die Inhalte

Auch dieses Jahr gab es wieder ein großes Spektrum an Inhalten bei den Vorträgen (siehe Programm). Vieles handelte um Künstliche Intelligenz, aber auch um Projekt-Management, Blockchain, Programmiersprachen oder Datenbanken.

Meine persönlichen Favoriten sind meist die Anwendungen, die mit Hören (oder eben nicht-Hören) zu tun haben. Hier gab es zum Beispiel einen Vortrag über Musik für Gehörlose oder ein System mit dem man Alexa mit Gebärden bedienen kann. Besonders interessant fand ich hier einen Bericht eines Schwerhörigen, welcher seine Erfahrungen im Senior Management einer großen Firma illustrierte. Generell fand ich es immer toll wenn in Gebärdensprache präsentiert wurde, denn das sieht man auf anderen Konferenzen viel zu selten.

Meine Erfahrung als Speaker

Dieses Jahr war ich nicht nur Teilnehmer auf der DeafIT, sondern auch Speaker. Mein Arbeitgeber Google hat die DeafIT dieses Jahr gesponsort und im Zuge dessen durfte ich für Google einen Vortrag halten. Ähnlich wie der vorherige Speaker aus dem Senior Management, habe ich hier ein Resüme meiner 10-jährigen Karriere bei Google – aus der Sicht einer Schwerhörigen – gezogen. Als Speaker hat man nochmal ganz andere Einblicke in den Aufwand, der hinter so einer virtuellen Konferenz steckt. Ich war schwer beeindruckt, wie das kleine Team der DeafIT das alles gemeistert hat. Es wurde sehr klar kommuniziert und die Zusammenarbeit war super.

Auch habe ich mich sehr gefreut über das positive Feedback zu meinem Vortrag aus dem Publikum. Anscheinend habe ich mit meinem Thema was interessantes erzählt. Auch gab es viele interessante Fragen und eine schöne Diskussion mit dem Publikum nach dem Vortrag.

Zusammenfassung

Zusammenfassend möchte ich sagen, dass ich die erste virtuelle DeafIT ähnlich toll fand wie die „richtige“ davor. Eine der wenigen barrierefreien Konferenzen mit interessanten Themen und tollen Leuten – sowohl als Redner, Organisatoren oder im Publikum.

Sollte euch das neugierig gemacht haben, so folgt doch der DeafIT auf den sozialen Medien und haltet Ausschau nach dem Ticketverkauf für die nächste Konferenz.

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