Dieser Artikel ist Teil einer Serie über Hörtrainings. Die vorherigen Teile findet ihr hier: Teil 1: Besser Hören durch Hörtrainings, Teil 2: Chancen und Grenzen von Hörtrainings und Teil 3: Der Markt und die Auswahlkriterien.
Ihr kennt mich, ich schreibe am liebsten über Dinge, die ich selbst ausprobiert habe. Und so auch hier.
An dieser Stelle der Hinweis, dass ich nur einen Anbieter probiert habe. Es macht leider nicht viel Sinn mehr als einen zu nutzen, zumindest kann man die Ergebnisse dann nur sehr schlecht vergleichen. Man kann ja immer nur ein Hörtraining zur Zeit testen, um zu wissen, wie viel es gebracht hat. Da hat aber das erste Hörtraining, was man macht, vermutlich den meisten Erfolg. Wenn man damit sein Gehör also schon fit gemacht hat, werden alle nachfolgenden Trainings – egal wie gut sie wären – nur noch wenig mehr verbessern können.

Meine Ausgangslage
Um meine Erfahrungen mit Hörtrainings einschätzen zu können, möchte ich kurz meine Situation schildern, damit ihr versteht, wo ich herkam. Es kann sein, dass du in einer ähnlichen oder anderen Situation bist und daher bedenke immer, dass meine hier beschriebenen Erlebnisse, sich nicht eins zu eins auf dich übertragen lassen.
Ich bin seit ca. 17 Jahren schwerhörig und hatte zum Zeitpunkt des Hörtrainings Anfang 2025 meine 3. Hörgeräte. Diese trug ich bereits 5 Jahre lang, bevor ich das Hörtraining machte. Meine Schwerhörigkeit liegt vor allem in den hohen Tönen. Sie fing langsam an und ist über die Jahre immer schwerer geworden und hat auch die mittleren Töne in Mitleidenschaft gezogen.
Ich habe in den letzten Jahren das Glück gehabt, mir immer hochwertige Hörgeräte kaufen zu können. Aber auch mit solchen merkte ich, dass ich nicht in allen Situationen gut klar komme. Verschiedene Sprecher in lauten Situationen ausfindig zu machen fällt mir schwer, sowie auch Richtungshören. Auch empfinde ich Hören als anstrengend und habe dementsprechend mit Hörstress zu kämpfen. Als ich dann hörte, dass man vielleicht mit einem Hörtraining noch etwas rausholen könnte, entschied ich mich, diese Chance zu nutzen.
Welcher Anbieter und warum?
Ich habe mich für terzo als Hörtrainingsanbieter entschieden. Dabei waren mir folgende Dinge wichtig:
- Es fundiert auf evidenzbasierten wissenschaftlichen Studien. Ich finde in der heutigen Zeit sollte man sehr wachsam sein, was einem gerade im Gesundheitsbereich angeboten wird. terzo hat mich hier überzeugt wegen ihrer großen Nähe zur aktuellen Forschung und weil sie unabhängig wissenschaftlich untersucht wurden (von der Charité Berlin). Unser Gehör und unser Gehirn sind wichtige Teile unseres Körpers, wir sollten wachsam sein, was wir mit ihnen machen.
- Man kann das Training zuhause machen. Ich wollte ein Hörtraining, was ich selbst allein zuhause machen kann. Wie vermutlich die meisten berufstätigen Menschen mit Schwerhörigkeit hätte ich es mir nicht leisten können, dafür oft irgendwo hinfahren zu müssen.
- Es war zeitlich machbar. Das Training geht 2-3 Wochen, wobei ich für die täglichen Übungen ca. 45-60 Minuten gebraucht habe. Das ist immer noch viel Zeit, aber für so einen begrenzten Zeitraum konnte ich mir diese Zeit freischaufeln.
- Es war ein Hörtraining, bei dem ich wirklich mehr Signale auf die Ohren bekomme als vorher. Nur so macht es für mich Sinn, dass mein Gehirn trainiert wird, wenn es auch wirklich Reize bekommt, die es vorher nicht hatte – ähnlich wie bei Harald’s Personal Fitnesstrainer.
- Reize nicht nur während der Übungen. Das Interessante (aber auch anstrengendste) war, dass man die Hörgeräte mit dem Trainingsprogramm nicht nur für die Zeit der eigentlichen Übungen trägt, sondern die gesamte Trainingszeit. Das halte ich für sehr sinnvoll, denn zum einen sind natürlich Hörtrainigsübungen immer eine etwas künstliche Situation und ich will ja mein Gehirn für alle Situationen im Leben trainieren. Zum anderen bekommt man so natürlich gleich sehr viel mehr Training in kurzer Zeit, denn so trainierst du dein Gehirn nicht nur eine, sondern ca. 16 Stunden am Tag (je nachdem wie lange du wach bist und sie trägst).
Wie verlief das terzo-Training?
Der Vorbesprechungstermin
Alles begann mit einem ersten Termin bei einem terzo-Akustikfachgeschäft. Bei diesem Termin musste ich mehrere Hörtests mit und ohne Hörgeräte machen. Dann konnte mir der Akustiker sagen, wie viel ich mit dem Training rausholen könnte. Das bezieht sich erstmal aufs Sprachverstehen, gemessen an einer Variante des Freiburger Sprachtest (das ist der Test wo man 20 einsilbige Wörter nachsprechen muss). Da bekam ich erstmal die etwas ernüchternde Ansage, dass selbst mit maximal effektivstem Training ich vermutlich nicht über 75% Sprachverstehen in Ruhe komme, also ungefähr 3/4 der Wörter erkennen würde.
Mein Akustiker fragte mich dann, ob ich das Training machen wollte, was ich bejahte. Bis dahin hätte mich dieser Termin übrigens nichts gekostet. Eine Einschätzung des maximal möglichen Erfolges zu bekommen ist also möglich, bevor du Geld ausgeben musst.
Nachdem ich die Frage bejahte, ging es gleich weiter. Zunächst wurden meine Ziele für das Training besprochen. Diesen waren vor allem bei Verstehen im Störgeräusch besser klarzukommen und generell weniger Höranstrengung zu spüren.
Für das Training würde ich Trainingshörgeräte bekommen. Diese müssen bei meinem Hörverlust besonders die hohen Töne gut verstärken können. Auch ist es bei einem Hörtraining wichtig, dass die Verstärkung der Hörgeräte auch konsistent am Trommelfell ankommt. Aus diesen Gründen werden die Trainingshörgeräte mit Otoplastiken (siehe Ohrstücke: Otoplastiken oder Schirmchen?) gemacht, für die ich gleich an dem Termin Abformungen genommen bekommen habe. Bis zum nächsten Termin vergingen ein paar Wochen, weil die Otoplastiken aus den Abformungen hergestellt werden mussten.
Trainingsbeginn
Beim nächsten Termin bekam ich die Trainingshörgeräte mit Otoplastiken angepasst. Die Ohrstücke waren sehr viel größer und “fester” sitzend als was ich vorher hatte – eben um konsistenten Sitz und damit gleichbleibende akustische Eigenschaften zu garantieren. Bei den Einstellungen der Hörgeräte wurde ich gefragt, ob ich erstmal “sanft” anfangen wollte. Das heißt, dass sie (besonders bei den hohen Tönen) noch nicht so laut eingestellt werden, wie es eigentlich am effektivsten für das Hörtraining wären.
Ich entschied mich gegen die sanfte Methode, sondern direkt für “volle Pulle”. Ich vertraute darauf, dass mein noch (relativ, naja) junges Gehirn das schon packen würde. Das hatte auch den Vorteil, dass das Training vielleicht noch schneller gehen würde und ich somit schon nach 2 statt 3 Wochen durch sein würde. (Im Nachhinein betrachtet würde ich aber die sanfte Variante empfehlen. Warum, das werdet ihr weiter unten lesen …).
Dazu bekam ich einen Bluetooth-Lautsprecher und ein Tablett mit einer Trainings-App mit nach Hause. Diese hatte einen Plan mit Hörtrainingsübungen einprogrammiert. Jeden Tag sollte ich diesen Plan abarbeiten. Mit einem weiteren Termin für ungefähr eine Woche später verliess ich den Laden.
Die erste Trainingswoche
Dann ging’s los mit den Übungen. Pro Tag waren es 6 Stück, manches wiederholte sich, aber es war auch eine gewisse Abwechslung dabei. Mal musste ich zum Beispiel Lückentexte füllen oder Wörter in einer vorgelesenen Geschichte zählen. Dabei bekam ich auch sofort Feedback, wie gut ich mich dabei geschlagen habe. Wenn ich doch mal sehr daneben lag, wurde ich gleich gefragt, ob ich denn auch richtig aufgepasst habe. Der App entging nichts.
Die Übung, die ich am schwersten fand, war die, wo ich am wenigsten aus dem Zusammenhang logisch raten konnte – wo ich also nur auf mein Gehör angewiesen war. Es ging darum, aus einer Reihe sehr ähnlich klingenden Wörtern das vorgelesene auszuwählen. Die Wörter unterschieden sich nur in Konsonanten, also genau den Buchstaben, mit denen ich als Mensch mit Hochtonschwerhörigkeit Schwierigkeiten habe. Da klingen “heben”, “beben”, oder “reden” schonmal verdammt ähnlich.
Der allerdings viel krassere Teil des Hörtrainings waren nicht die Übungen mit der App, sondern der Rest des Tages. Die Option “volle Pulle” war erstmal gefühlt ein “Kopfüber in die Hölle (der Geräusche)”. Die Trainingshörgeräte waren so eingestellt, dass sie wieder alle Frequenzen richtig hörbar an mein Trommelfell brachten. Interessanterweise machte meine Akustikerin das so, dass sie die Einstellungen für Kinder in ihrer Software nutzte. Kinder hören insbesondere die hohen Töne noch viel besser als Erwachsene und diese brauchte ich ja am meisten. Diese Einstellungen sind allerdings sehr anders als ich es vorher gewohnt war, nämlich erstmal gefühlt sehr laut und ohne die ganzen angenehmen Filter, die die Hintergrundgeräusche erkennen und dämpfen.
Ich hatte keine Ahnung auf was ich mich da eingelassen hatte. Alles war erstmal schrecklich laut. Die Klospülung klang wie die Niagarafälle. Wenn mein Mann hustete, zuckte ich zusammen. Wenn ich den Knopf der elektrischen Kaffeemühle drückte bin ich erstmal aus der Küche gegangen, weil ich es nicht ausgehalten habe. Anfangs war ich mir sicher, dass da irgendwas falsch gelaufen war und schrieb eine hilfesuchende Email an meine Akustikerin. Sie versicherte mir aber, dass das alles so ist wie erwartet. Das half meiner anfänglichen Panik, aber machte die nächsten Tage natürlich nicht weniger stressig. Trotz dieser immensen kognitiven Belastung habe ich die Geräte aber tagsüber durchgehend getragen, weil ich den maximalen Trainingseffekt haben wollte. Ich dachte mir, wie beim Sport: man erreicht die Ziellinie beim Marathon nicht, wenn man nach nem Kilometer aufgibt.
Bei all dem Stress, den das erstmal erzeugt hat, habe ich auch schnell gemerkt, was für Vorteile es hatte, wieder mehr von den leisen Geräuschen mitzukriegen. Ich konnte es auf einmal wieder hören, wenn jemand flüstert – das mag erstmal nicht so wichtig erscheinen, aber ihr glaubt nicht, wie viele interessante Informationen man dadurch nicht mehr mitkriegt. Auch konnte ich meine Katzen hören, wenn sie auf leisen Pfoten angetapst kamen. Mehr als einmal hatte ich auch das Erlebnis “Oh, das macht ein Geräusch? Wusste ich gar nicht!” bei Dingen, bei denen ich das noch nie gehört hatte. Und der kaputte Lüfter, der seit Wochen in meinem PC klapperte, war nun so nervig laut, dass ich den mal schnell ausgetauscht habe.
Ich hatte im Vorhinein überlegt, ob ich mir für diese erste Trainingswoche Urlaub nehmen sollte, aber mich dann dagegen entschieden. Die Idee ist ja, dass ich in möglichst realistischen Situationen trainieren sollte, da hilft es ja nichts, wenn ich mich 7 Tage in meinem Zimmerchen einschließe. So habe ich also meinen ganz normalen Alltag gelebt. Das einzige was ich vermieden habe ist eine Woche zu nehmen, wo besonders viele soziale Events sind. Aber ein paar soziale Events gab es trotzdem. Unter anderem bin ich mit einer Freundin in ein Restaurant essen gegangen. Anfangs hatte ich meine Bedenken, ob ich überhaupt ein Wort verstehe, was sie sagt. Doch es war genau anders. Dadurch dass ich wieder die ganzen hohen Töne wahrnehmen konnte, konnte mein Gehirn wieder selbst herausfinden, welcher Person ich zuhören möchte in all dem Stimmengewirr. Auch wenn ich natürlich insgesamt alles noch viel zu laut fand, war es ein Erlebnis, was mich schnell spüren ließ, dass mein Gehirn doch noch was drauf hat, wenn ich ihm nur alle Informationen zugänglich mache.
Als die erste Woche sich dem Ende neigte, merkte ich übrigens schon, wie sich mein Gehirn an die vielen neuen Geräusche gewöhnte. Es normalisierte sich etwas, was ich als “zu laut” empfand.
Die zweite Woche
Anfang der zweiten Woche hatte ich den nächsten Termin bei meiner Akustikerin. Der ist vor allem zur Kontrolle, ob alles funktioniert. Wenn man den sanften Einstieg gewählt hat, würde man jetzt die “volle Pulle” Einstellungen bekommen, aber ich war da ja schon.
Ich mache weiter jeden Tag meine Übungen. Ich muss schon sagen, dass so eine Stunde täglich tatsächlich ein gewisser Zeitaufwand ist. Ich musste das durchaus in meinem Berufsalltag priorisieren und dafür weniger andere Termine machen.
Was das Training in der freien Wildbahn anging, so merkte ich in dieser Woche noch mehr wie mein Gehirn sich anpasste. Ich hatte mehrere soziale Events mit vielen Menschen und in den meisten Situationen kam ich gut klar. Natürlich war immer noch alles anstrengend, aber vieles auch weniger anstrengend als vorher. Ich konnte wieder besser Richtungshören, auf Sprecher fokussieren und leise Geräusche wahrnehmen, für die ich mich vorher anstrengen musste, sie zu hören oder das nicht Gehörte zu raten.
Nur bei der Besichtigung einer Baustelle war ich zwischenzeitlich von der lauten Geräuschkulisse überfordert und konnte dem Sprecher in der Situation nicht mehr folgen. Allerdings stelle ich fest, dass das auch meine hörenden Kollegen in der Situation nicht konnten – ein guter Vergleich um meine Hörerwartungen an die Realität anzupassen.
Auch in dieser Woche hatte ich ein paar Erkenntnisse darüber, was in der Welt überhaupt Geräusche macht. Faszinierend, dass ich das Ticken unserer Küchenuhr hören kann. Bei manchen Geräuschen war ich oft noch sehr verwirrt, was es genau ist. Gelegentlich half mir mein Mann bei Fragen wie “War das ein Kind oder ein Hund oder eine quietschende Tür?”.
Was mir in dieser Woche auch auffiel, war, dass der Kontrast zwischen “mit Hörgeräte” und “ohne Hörgeräte” größer geworden war. Wenn ich abends meine Hörgeräte herausnahm, trat gefühlt eine größere, erholsamere Stille ein als früher. Wenn ich die Trainingshörgeräte trug, musste ich nicht mehr angestrengt “die Ohren spitzen”, wenn ich leise oder hohe Töne wahrnehmen wollte und wenn ich sie nicht trug, konnte ich mich besser entspannen.
Die dritte Woche
Am Ende der dritten Woche war das Training offiziell für mich vorbei. In der abschließenden Messung zeigte sich, dass sich mein Testergebnis beim Freiburger Test von 60% auf 75% in Ruhe und von 40% auf 55% im Störgeräusch verbessert hat.
Normalerweise würde jetzt die Hörgeräteanpassung der neuen Hörgeräte erfolgen, wenn man denn das Training im Zuge einer solchen macht. Das beinhaltet dann alle Schritte, die auch sonst dazu gehören (siehe Wie man Hörgeräte bekommt). Das heißt, hier gäbe es theoretisch für dich auch noch die Möglichkeit, weitere Hörgeräte zu testen etc.
Da ich das Training aber losgelöst von einem Hörgerätekauf machte, ging es zurück zu meinen alten Hörgeräten. Diese hat meine Akustikerin dann neu eingestellt, möglichst nah dran an dem, was die Trainingshörgeräte geleistet haben. Dabei durfte ich auch die Otoplastiken, die fürs Training gemacht wurden, weiter verwenden.
An dieser Stelle teilte mir meine Akustikerin mit, dass meine aktuellen Hörgeräte nicht ausreichen, um meinen Hochtonverlust so auszugleichen, wie es die Trainingshörgeräte taten. Mit einem neuen, stärkeren Hörer konnte sie da noch etwas rausholen, aber ganz das gleiche war es nicht. Somit waren die hohen Töne jetzt zwar mehr da als vor dem Training, aber weniger als währenddessen.
Mein Plan ist, nächstes Jahr neue Hörgeräte zu kaufen. Da wird es dann ein Auswahlkriterium für mich sein, ob die Geräte genug “Wumms” in den hohen Tönen haben. Meine Akustikerin meinte leider aber schon, dass es da gar nicht so viele Hersteller auf dem Markt gibt. Das und die Erkenntnis, dass ich damit so langsam im Bereich der hochgradigen Schwerhörigkeit angekommen bin, war etwas, was ich auch erstmal verdauen musste.
Obwohl das Training offiziell vorbei war, durfte ich noch eine Woche das Tablet und den Lautsprecher behalten und mit meinen alten Hörgeräten mit neuen Einstellungen nochmal üben. Und wie erwartet, schnitt ich bei den Übungen wieder schlechter ab – schließlich waren die hohen Töne jetzt weniger laut.
Auch im Alltag merkte ich den Unterschied, aber ich merkte auch immer noch die Effekte des Trainings. Zwar fühlte sich immer noch alles viel zu laut an, aber im Vergleich zu den Trainingshörgeräten war es etwas angenehmer. Ich konnte allerdings auch immer noch sehr deutlich die positiven Effekte des Trainings spüren: ich konnte auch besser Sprecher fokussieren und in lauten Situationen heraushören.
Ein paar Wochen später
Im Laufe der folgenden Wochen gewöhnte sich mein Gehirn vollständig an das neue Geräuschlevel. Es kalibrierte sich quasi an die Lautstärke. Ich erschreckte nicht mehr, wenn jemand hustete und wusste alle Informationen, die ich durch die leisen Hintergrundgeräusche wahrnehme, zu schätzen. Nach einiger Zeit habe ich gar nicht mehr darüber nachgedacht. Es ist schwierig, es zu messen, aber ich habe den Eindruck, dass mein Hörstress tatsächlich abgenommen hat, seit ich nicht mehr ständig die Ohren spitzen muss.
Fazit – Ein Jahr danach
Nun ist ein Jahr vergangen, seit ich das Hörtraining gemacht habe.
Den Effekt eines Hörtrainings kann ich am besten mit der folgenden Situation vergleichen: du wachst nachts auf und willst dir in der Küche ein Glas Wasser holen. Du stolperst im Dunkeln durch den Flur. Das geht ganz gut, denn deine Augen haben sich an das wenige Licht gewöhnt und du siehst genug Schemen, um dich in deiner vertrauten Wohnung fortzubewegen. Dann betrittst du die Küche und machst das Licht an. Im ersten Moment ist alles gleißend hell – so hell, dass du erstmal ein paar mal blinzeln musst, um dich daran zu gewöhnen. Aber nach einer Minute ist es gar kein Problem mehr, deine Augen haben sich schnell umgestellt und du kannst alles gut sehen und dir dein Glas Wasser einschütten – etwas, was im Dunkeln nicht gut funktioniert hätte. So ähnlich ist das auch mit einem Hörtraining – nur dass es nicht eine Minute, sondern ein paar Wochen dauert, bis du nicht mehr blinzeln musst und die zusätzlichen Informationen, die dein Gehirn nun bekommt, auch nicht mehr als unangenehm empfindest.
Nach einem Jahr sind die Trainingseffekte nach wie vor da und haben auch in keinster Weise nachgelassen. Laute Restaurants sind zwar immer noch anstrengende Situationen, aber ich habe keine Angst mehr davor, mich nicht mehr unterhalten zu können. Generell habe ich das Gefühl, dass ich mein Verhalten durch meine Schwerhörigkeit weniger anpassen muss. Ich habe wieder ähnliche Freiheiten wie hörende Menschen was akustische Situationen angeht.
Somit war das Training ein großer Erfolg für mich. Ich denke, dass die Hörübungen eine gute Art sind, Menschen dazu zu motivieren, sich jeden Tag mit ihrem Gehör zu beschäftigen. Ich habe für mich aber das Gefühl, dass der wichtigere Teil ist, dass man sich auf diese sehr lauten Hörgeräte-Einstellungen einlässt und sie so lange erträgt, bis man die Vorteile davon spürt. Dafür war es wichtig, durch dieses Hörtrainingsprogramm zu gehen und ein paar Wochen begleitet zu werden.
Ich wünschte, ich hätte früher erfahren, dass es so etwas gibt. Vielleicht wäre ich heute weniger schwerhörig als ich es bin und ich hätte früher mehr meiner Lebensqualität haben können.
Transparenzhinweis: Ich habe selbst ein Hörtraining der Firma terzo gemacht. Dieses habe ich selbst bezahlt. terzo ist ein Teil des Netzwerkes Hörgesundheit, einer Einkaufsgemeinschaft von Hörgeräteakustikern, welche ein Augenmerk auf die Hörgesundheit setzen und deshalb auch Hörtrainings anbieten. Im Rahmen meines Engagements für den Tag der Hörgesundheit 2025 habe ich mit Ihnen zusammengearbeitet. Für diesen Artikel hat mir terzo hier und da mit Informationen geliefert, besonders was die wissenschaftlichen Grundlagen angeht.
Für diese Artikelserie habe ich mehrere Wochen recherchiert und das Hörtraining auf eigene Kosten selbst gemacht. Wenn du diesen Artikel hilfreich fandest, freue ich mich, wenn du mich unterstützt.