{"id":2823,"date":"2026-01-15T07:41:00","date_gmt":"2026-01-15T07:41:00","guid":{"rendered":"https:\/\/doofe-ohren.de\/?p=2823"},"modified":"2026-01-15T19:37:45","modified_gmt":"2026-01-15T19:37:45","slug":"die-ziellinie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/doofe-ohren.de\/index.php\/2026\/01\/15\/die-ziellinie\/","title":{"rendered":"Die Ziellinie"},"content":{"rendered":"\n<p>Meistens bin ich ein Mensch, der sich \u00fcber technologischen Fortschritt freut. Ich bin neugierig, wie sich die Welt weiterentwickelt, probiere Neues fr\u00fchzeitig aus und bilde mich gerne weiter. Unter anderem finde ich so auch neue Hilfsmittel und Apps, die mir mein Leben als Mensch mit Schwerh\u00f6rigkeit leichter machen. Aber es gibt da auch einen anderen Aspekt von Technologiefortschritt, der mich nervt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"400\" src=\"https:\/\/doofe-ohren.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/anton-shuvalov-9EUwYOG3MVQ-unsplash_small.jpg\" alt=\"Eine Rennstrecke von oben. Ein Motorrad f\u00e4hrt \u00fcber die Ziellinie.\" class=\"wp-image-2827\" srcset=\"https:\/\/doofe-ohren.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/anton-shuvalov-9EUwYOG3MVQ-unsplash_small.jpg 640w, https:\/\/doofe-ohren.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/anton-shuvalov-9EUwYOG3MVQ-unsplash_small-300x188.jpg 300w, https:\/\/doofe-ohren.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/anton-shuvalov-9EUwYOG3MVQ-unsplash_small-480x300.jpg 480w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Foto von <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/@a8ka?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText\">Anton Shuvalov<\/a> auf <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/photos\/race-track-starting-line-9EUwYOG3MVQ?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText\">Unsplash.<\/a><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Ein Beispiel: In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich ein neues Medienformat namens \u201cPodcast\u201d etabliert. Podcasts sind im Prinzip so etwas wie Radiosendungen, die im Internet zur Verf\u00fcgung gestellt werden. Sie werden nicht nur von gro\u00dfen Radiosendern gemacht, sondern eigentlich kann jeder Mensch einen eigenen Podcast machen. Das hat zu einer sch\u00f6nen Vielfalt an Inhalten in der Podcastwelt gef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Man h\u00f6rt Podcasts auf einer Webseite oder mit einer Podcast-App auf seinem Mobiltelefon. Podcastfolgen kann man abspielen wann auch immer es einem passt. Das hei\u00dft, im Vergleich zu einer traditionellen Radiosendung muss man nicht mehr zu einer bestimmten Zeit einschalten und ist daher viel flexibler.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich mag Podcasts. Am liebsten h\u00f6re ich welche, wo Wissen vermittelt wird. So kann man auf leichte Weise etwas Neues lernen. Ich mag sie als Medienformat, weil man sie im Vergleich zu einem Radioprogramm nicht nur dann abspielen kann, wenn man m\u00f6chte. Man kann zwischendurch auch Pause dr\u00fccken oder nochmal ein St\u00fcck zur\u00fcckgehen. Das ging im Radio nicht. Wenn ich da etwas nicht verstanden hatte, konnte ich nicht einfach &#8222;zur\u00fcckspulen&#8220;, um es nochmal zu h\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch hier kommt die andere Seite dieser Entwicklung. Die meisten Apps oder Webseiten zum Abspielen von digitalen Inhalten bieten die M\u00f6glichkeit, auch die Abspielgeschwindigkeit zu ver\u00e4ndern. Das ist zum einen gut f\u00fcr Menschen mit Schwerh\u00f6rigkeit, wenn wir etwas langsamer h\u00f6ren m\u00fcssen, um es verstehen zu k\u00f6nnen. Man kann die Geschwindigkeit aber auch schneller stellen und das machen viele Menschen, weil sie damit in weniger Zeit mehr Inhalte konsumieren k\u00f6nnen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Neulich hat ein Kollege von mir erz\u00e4hlt, dass er Podcasts immer in 1,5-facher Geschwindigkeit h\u00f6rt. Das w\u00fcrde er immer so machen, denn so kann er in der gleichen Zeit mehr Inhalte konsumieren. Na super, dachte ich. Ich bin froh, dass \u201cRadioh\u00f6ren\u201d nun etwas barrierefreier f\u00fcr mich ist, aber nun muss ich \u201cschnell Radioh\u00f6ren&#8220;, um mit den H\u00f6renden mithalten zu k\u00f6nnen. Es f\u00fchlt sich so an, als h\u00e4tte diese Technologie zwar Barrieren verringert, aber gleichzeitig auch die Ziellinie weiter nach hinten verschoben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dazu kommt noch ein anderer Aspekt. Erst seit ein paar Jahren gibt es bei vielen Podcasts Transkriptionen. Man kann also alles Gesprochene gleichzeitig mitlesen. Manchmal ist das sogar so gemacht, dass immer die Stelle, wo der Podcast gerade ist, hervorgehoben ist, damit man den Anschluss nicht verliert. Das ist nat\u00fcrlich gro\u00dfartig f\u00fcr Menschen mit Schwerh\u00f6rigkeit, aber es hat auch Jahre gedauert, bis sich Transkriptionen durchgesetzt haben. Es ist hier also wie oft mit Technologie, sie hilft als erstes den Menschen ohne Unterst\u00fctzungsbedarf und weitaus sp\u00e4ter erst wird \u00fcber die Barrierefreiheit nachgedacht. Damit macht jede Technologie, die so eine Wirkung hat, eine Schere auf, zwischen denen die ungehindert sofort von ihr profitieren und denjenigen, die den Zugang erst m\u00fchsam einfordern m\u00fcssen. Lasst uns nicht die Energie verlieren, letzteres auch zu tun.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Seit Anfang 2022 schreibe ich als freie Autorin f\u00fcr das Dezibel. Dieser Artikel ist urspr\u00fcnglich in der Dezibel Ausgabe 2025 Nr. 4 erschienen. Dezibel ist die Mitgliederzeitschrift von Pro Audito, der f\u00fchrenden Anlaufstelle f\u00fcr die 1,3 Millionen Menschen mit Schwerh\u00f6rigkeit in der Schweiz,&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.pro-audito.ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">http:\/\/www.pro-audito.ch<\/a><\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meistens bin ich ein Mensch, der sich \u00fcber technologischen Fortschritt freut. Ich bin neugierig, wie sich die Welt weiterentwickelt, probiere Neues fr\u00fchzeitig aus und bilde mich gerne weiter. 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